Letzte Heimattage? Heimatverein ringt um Zukunft

Letzte_Heimattage

Der Kirchener Verein steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Es wird immer schwerer,
Helfer für Veranstaltungen zu finden.
Und mehr noch: Auch für den Vorstand werden neue Kräfte händeringend gesucht

Siegener Zeitung 9. Juli 2025

Von Daniel Montanus
KIRCHEN.Es mag in der Natur eines Heimatvereins liegen, dass der Altersschnitt der Mitglieder
ein anderer ist als im Kinderturnen – aber den Kirchener Heimatverein stellt seine Altersstruktur
aktuell vor große Herausforderungen.
Denn auch Vorsitzender Hubertus Hensel wird nicht jünger. Und nach 25 Jahren im Amt will der
pensionierte Lehrer bei der Jahreshauptversammlung im März nicht noch einmal kandidieren. „Es
wird Zeit, dass jemand Neues nachrückt, der eigene Ideen, neuen Elan und andere Denkweisen
einbringt“, sagt Hensel.
Das soll keineswegs heißen, dass er sein Engagement beenden will. Aber er möchte nicht mehr
an der Spitze des Vereins stehen, zumal dort zuletzt immer viel Arbeit hängengeblieben ist. Ein
aktuelles Beispiel ist die Organisation des Kirchener Heimattags. „Ich wäre wirklich froh, wenn
diese Aufgabe künftig ein neuer Vorsitzender übernehmen würde.“
Und nicht nur ein neuer Vereinschef muss im März gesucht werden: Auch die Posten des
Kassierers und der Schriftführerin müssen neu besetzt werden. Mit anderen Worten: „Wir
brauchen zwei, drei neue Leute, die sich einbringen wollen“, sagt Hensel. Einzig und allein Dr.
Johannes Pfeifer, derzeit Hensels Stellvertreter, will weitermachen – aber nur, sofern sich ein
neuer Vorsitzender findet.
Das aber ist kein Selbstläufer, und an dieser Stelle kommt die Altersstruktur ins Spiel. Zwar hat der
Verein mehr als 300 Mitglieder, aber der Großteil dürfte die 70 bereits überschritten haben. Das
macht die Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern kaum leichter. Aber ohne nachrückende Kräfte
wird‘s kaum gehen – daran lassen Hensel und Pfeifer im Gespräch mit der SZ keinen Zweifel.
„Wenn wir keine neuen Vorstandsmitglieder finden, dann wird das hier vielleicht der letzte
Heimattag sein“, sagt Hensel. Und in allerletzter Konsequenz stehe womöglich irgendwann auch
die Zukunft des Heimatmuseums in den Sternen.
Nun wissen beide genau, dass sie mögliche Interessenten verschrecken können, wenn sie über
ein zu hohes Arbeitsaufkommen klagen. Und ihnen ist auch klar, dass die vielen Veranstaltungen
des Vereins – Museums- und Stadtführungen, die Heimattage, die Gedenkveranstaltung zum 9.
November – potenzielle Ehrenamtler ins Zweifeln bringen könnte. „So ging es mir damals auch:
Ich habe mich auch gefragt, ob mir das alles gelingt“, räumt Hensel ein.
Aber auf diese Herausforderungen haben die beiden Vorsitzenden eine Antwort: „Wir sind ja
weiterhin da und stehen den neuen Kräften mit Rat und Tat zur Seite.“ Und: Die Aufgaben ließen
sich problemlos auf mehrere Schultern aufteilen, sodass für den Einzelnen die Belastung durchs
Ehrenamt keineswegs zu groß werden müsste.
Allerdings war das zuletzt im alten Vorstand nicht mehr möglich, und so ist gerade in den letzten
Wochen viel Arbeit an Hensel und Pfeifer hängengeblieben. Denn sie haben den Heimattag
organisiert, und auch da hat sich gezeigt: „Es wird immer schwerer, die Mannschaft an Helfern für
die Heimattage zusammenzubekommen“, sagt Hensel. Rund 45 Helfer werden gebraucht: Sie
müssen an beiden Tagen die Bewirtung übernehmen, beim Auf- und Abbau mit anpacken, sich um
die Besucher kümmern und ihnen bei Fragen zur Seite stehen.
„Ohne die Hilfe der befreundeten Vereine, die Schichten am Zapfhahn übernehmen, hätte es jetzt
schon nicht mehr gepasst“, stellt Hensel klar und nennt den Klickerverein, den FSV und die
Wehbacher Karnevalisten. Auch DJ Hansi stellt sich in den Dienst des Vereins: Am
Sonntagnachmittag legt er auf – und wie schon in den Vorjahren, wird er auch diesmal keine
Rechnung stellen. Aber die Heimattage beginnen schon einen Tag vorher: Am Samstag, 12. Juli,
spielt die Coverband „Hörgerät“ in kleiner Besetzung. Los geht‘s um 20 Uhr, Einlass ist bereits
zwei Stunden vorher. Am Tag darauf geht‘s ab 11 Uhr weiter, um
12 Uhr spielt der Musikverein Kirchen.
Natürlich ist dann auch das Museum geöffnet, inklusive der Sonderausstellung zur
Eisenbahngeschichte der Stadt Kirchen. Zudem präsentiert sich der Trägerverein „Ein
Siegerländer Tal“. Und für die Kinder gibt‘s ein Spielemobil und eine Stein-Olympiade, die Achim
Heinz vom Bergbaumuseum ausrichtet. „Wir hätten noch einige andere Ideen fürs
Kinderprogramm“, sagt Hubertus Hensel. „Aber wie sollen wir das umsetzen? Dafür würden wir ja
noch mehr Personal brauchen.“