Heimatverein Kirchen steht vor Generationswechsel
Heimatverein Kirchen steht vor Generationswechsel
Ein neuer Vorstand wird gesucht: Das Duo aus Vorsitzendem und tellvertreter geht in Rente –und weist darauf hin, dass man hier viel mehr machen kann als angestaubte Historie. Warum der Verein auch jungen, kreativen Leuten allerlei Chancen bietet. Von Peter Seel Siegener Zeitung, 26. Januar 2026
KIRCHEN. „Viele denken, bei uns geht’s nur ganz trocken um Geschichte, um angestaubte Urkunden und alte Bilder – dabei ist das gar nicht so.“ Das sagt Hubertus Hensel, der seit 25 Jahren Vorsitzender des Heimatvereins Kirchen ist und am 27. Februar aufhören will. „Wenn junge Leute Ideen haben, die nichts mit Geschichte zu tun haben, ist das auch okay.“ Das sagt er nicht nur, damit er sich bei der Jahreshauptversammlung mit gutem Gewissen in den Ruhestand verabschieden kann. „Nein“, betont der 70-Jährige.
Man kann ja auch mal einen Literatur-Wettstreit oder Stadtführungen mit Theater oder was für Kinder oder mit Musik und Konzerten machen…
Hubertus Hensel
Noch-Vereinschef
„Es ist wirklich so, dass unser Verein mit seiner Ausstattung, dem Gebäude und dem Gelände drumrum viele Möglichkeiten bietet. Neue Leute brauchen nur neue Ideen mitzubringen.“ Der Ex-Lehrer von der Berufsbildenden Schule in Wissen hat sich vorgenommen, mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen. „Ich habe 25 Jahre für den Verein gearbeitet. Jetzt sind mal andere dran. Aber das Heimatblatt, das mache ich weiter.“ Für das jährliche Geschichtsblatt aus dem Heimatmuseum will er nämlich weiter verantwortlich sein. Auch Johannes Pfeifer, der als sein Stellvertreter lange mit Hensel die Speerspitze der Truppe gebildet hat, will beim Treffen am 27. Februar aufhören. „Selbstverständlich werden wir dem neuen Vorstand noch unter die Arme greifen“, erklärt er, „wir wollen ja, dass es hier munter weitergeht. Also werden wir die Neuen begleiten, bis sie es allein hinkriegen.“
Gedenkveranstaltungen wie die Pogromnacht am 9. November will das Duo weiterhin organisieren, ebenso die Kinderstunde zu Weihnachten mit Gerhard Baldus. „Es ist wichtig, dass so was weiterläuft“, meint Pfeifer. „Auch für Lesungen und Vorträge und Sonderausstellungen sind wir noch da.“ Man sei jahrelang mit viel Herzblut für den Verein dabei gewesen, sagen beide. „Aber jetzt ist eine neue Generation dran.“ Der Heimattag zum Beispiel sei jedes Jahr viel Arbeit, sagt Hensel: „Damit müssen sich jetzt andere beschäftigen. Aber es steht ja nirgendwo geschrieben, dass den, so wie bisher, der Vorsitzende machen muss. Das kann auch ein Beisitzer erledigen.“ Fakt ist: Der Verein braucht jetzt einen fast kompletten Vorstand. Denn neben dem Duo Hensel & Pfeifer verlassen auch Schriftführerin Maria Leyener sowie der erste Kassierer Klemens Kipping und seine Stellvertreterin Eva Fischer die Vereinsspitze. Fischer hatte sich aus familiären Gründen schon vor längerer Zeit zurückziehen müssen. Kipping hat sein Amt ein Vierteljahrhundert lang zuverlässig ausgeübt – und auch er hat sich bereit erklärt, einen Nachfolger geduldig einzuarbeiten. Beisitzer werden übrigens ebenfalls benötigt. „Und da wäre es toll, wenn sich einer davon richtig um unser Archiv kümmern würde“, weiß Kipping. Dafür wäre ein Programmierer die ideale Besetzung, sagt er. „Wir haben ja fürs Archiv eine recht moderne Technik mit Suchfunktion, Register und Schlagwortkatalog. Da stehen Dokumente und Texte und 14.000 Fotos drin.“
Hensel kommt auf „neue Ideen und Konzepte“ zurück. Es müsse in Zukunft nicht alles so weitergehen wie bisher: „Man kann ja auch mal aus den eingefahrenen Bahnen raus und etwa einen Literatur-Wettstreit oder Stadtführungen mit Theater oder was für Kinder oder mit Musik und Konzerten machen…“ Als neues Vorstandsmitglied kann man sich also mit „neuem Spirit und neuen Ideen“ einbringen und in einem großen Verein mit zahllosen Kontaktmöglichkeiten eigene Spuren hinterlassen. „Wir haben keine Angst vor dem Generationenwechsel, sondern freuen uns darauf“, lacht Hensel. Und er erzählt: „Neulich sagte mal ein Besucher, dass es im Heimatmuseum ja seit Jahren immer gleich aussieht. Dazu kann ich nur sagen: Gerne kann ein neuer Vorstand das Haus auch vollkommen umgestalten. Wir stehen niemandem dabei im Weg.“
Die Vorstandssitzung ist am Freitag, 27. Februar, um 19 Uhr im Heimatmuseum in Kirchen in der Wiesenstraße. Jede und jeder ist willkommen, auch wenn er nur mal reinschnuppern möchte. Weitere Infos gibt gerne Hubertus Hensel unter Tel. 0274163543.