Kirchener Persönlichkeiten in Heimatroman lebendig gemacht. Hans-Joachim Weger stellte im Kirchener Museum seinen dritten Band vor.

Nach über einem Jahr intensiver Schreibarbeit und Recherche war es gestern so weit: Im Kirchener Heimatmuseum stellte Hans-Joachim Weger nach „Der Herzschlag vom Giebelwald“ und „Vergiss das Berglicht nicht“ seinen dritten historischen Heimatroman „Wo Wasser und Eisen fließen“ vor. Warum ausgerechnet im Kirchener Museum? Es sind die Persönlichkeiten, die Steins und Kraemers, die Rauschenbuschs und Jungs, die neben anderen lokalen Größen und tatsächlichen historischen Ereignissen das Gerippe des Romans bilden und so war es für Weger nur logisch, den Roman in der Abteilung „Jung-Jungenthal“ im Museum zu präsentieren. Da der Autor über seine langjährigen Studien zu familien- und heimatkundlichen Betrachtungen zur Romanschreiberei kam ist es nicht verwunderlich, dass wir in allen drei Bänden Vertreter der Familien Weger und Stolz finden, also aus der Ahnenreihe des Autors. Besonders bei diesen und den historischen Figuren der hiesigen Region legte Weger sein Augenmerk auf eine besondere Detailtreue, was die tatsächlichen Fakten angeht. Die eigentlichen „Helden“ des Romans sind jedoch die kleinen Leute, so der Autor, „denn es war mir besonders wichtig zu zeigen, wie die Menschen hier früher lebten, mit welchen Sorgen und Ängsten sie konfrontiert wurden und wie sie ihr Leben in diesen deutlich raueren Zeiten bewältigten“. Es sind die Eisenbahner, Gastwirte, Bergleute, Bauern, Pastöre, Fuhrleute, Kaufleute usw., die dem Roman das Leben einhauchen und ihn absolut lesenswert machen. Ihre Auseinandersetzung mit den Besonderheiten der hiesigen Topographie und Geographie, der Wasserläufe und Bodenschätze und dem daraus resultierenden Wirtschaftssystem thematisiert der Roman. Der Leser begegnet aber auch historischen Personen wie Arnold Jung, Dr. Felix Rauschenbusch, Heinrich Görg und Maria Homscheid sowie Landrat Dr. Wilhelm Boden. Diverse Anekdoten und Geschichtchen um diese Persönlichkeiten geben dem Roman zweifellos eine besondere Würze.

Insgesamt umfasst der Roman eine Zeitspanne von 32 Jahren, von 1887 bis 1919, also dem Ende des Ersten Weltkrieges. Der historisch interessierte Laie weiß um die Bedeutung jener Jahre für die hiesige Region, man denke nur an die Gründung der Genossenschaften oder den Bankrott mancher Bergbauunternehmen, hier speziell in Niederfischbach, den Bau der Westerwaldbahn oder die Gründung der Siegtalbrauerei. All dies ist Thema in Weger’s Roman und die Kunst des Autors ist, dies alles auch diesmal wieder in eine spannende Geschichte zu kleiden.

Der Wunsch des Autors ist es, mit seinem Roman Interesse an der eigenen Vergangenheit zu wecken, vielleicht eine Entdeckerfreude zu entfachen hinsichtlich der Beschäftigung mit dem hiesigen Raum und so dem Lebenswerk der Vorfahren näher zu kommen.

Gerade darin sieht auch Verbandsbürgermeister Maik Köhler das besondere Verdienst der Bücher von Hans-Joachim Weger und wünscht ihnen eine große Leserschaft. „Gerade in diesem Zeitraum ist auch bei uns hier sehr viel passiert und das Bier der Erzquell-Brauerei wird heute noch mit dem Wasser aus dem Giebelwald gebraut“. Köhler wünscht den Büchern vor allem auch jüngere Leser, damit diese den Blick auf ihre Heimat schärfen könnten und die interessante Geschichte, die uns auch heute noch prägt.

„Der Mensch muss eine Heimat haben“ erinnerte Hubertus Hensel vom Kirchener Heimatverein an ein früheres Zitat von Landrat Michael Lieber und damit einhergehend an eine wesentliche Aufgabe heutiger Geschichtsschreibung, nämlich den Menschen in einer zunehmend unübersichtlicheren weil globalisierten Welt einen identitätsstiftenden Ruhepol zu geben, ein Angebot der Verankerung in einer sozialen wie auch geographischen Heimat.

Dass dieses Bedürfnis ganz offensichtlich vorhanden ist zeigten die zahlreichen Nachfragen an den Heimatverein, so Dr. Johannes Pfeifer, in denen es um Spurensuche gehe, um Identitätsfindung auch bei der eigenen Familie durch die Jahrhunderte.

Quelle: Verein

Weger

Foto: Dr. Johannes Pfeifer (Heimatverein), Hubertus Hensel (Heimatverein), Maik Köhler, Hans-Joachim Weger